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Stadt der Schatten

Preisträger im Wettbewerb "Verein(t) für gute Schule" 2016

Ein an der Schule Borchshöhe in Bremen entwickeltes Theaterstück erzählt von sechs Flüchtlingskindern, die in einer fremden Stadt gemeinsam ein neues Leben aufbauen.

Die Begründung der Jury:
Die intensive Auseinandersetzung mit den Fluchtursachen über einen langen Zeitraum und über die Grenzen des Stücks hinweg, hat den Schülerinnen und Schülern gezeigt, vor welchen Herausforderungen und Problemen andere Menschen stehen. Die gesamte Schulgemeinschaft ist eingebunden. Auch die Eltern wurden sensibilisiert und beschäftigten sich näher mit der Thematik.

Foto: Anika Steinbock

"Die Stadt der Schatten" ist ein Theaterstück, das im Schuljahr 2014/15 von den Schülerinnen und Schülern der Grundschule Borchshöhe aus ihrer Sicht geschrieben wurde, unterstützt von den Lehrkräften und der künstlerischen Leitung. Es erzählt von sechs Flüchtlingskindern, die aus verschiedenen Gründen ihre Heimat verlassen mussten und in einer fremden Stadt gemeinsam ein neues Leben aufbauen. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um die Kinder "stark zu machen", denn insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien brauchen Unterstützung bei der Entfaltung ihres Potenzials. Die Investition in Bildung und Chancengleichheit ist wichtig, damit der Einzelne seine Fähigkeiten erkennt und sich positiv in die Gesellschaft einbringen kann.

Die 250 Kinder der Ganztagsschule wurden mit verschiedenen Techniken an den Prozess der Stückentwicklung herangeführt: durch beispielhaftes Erzählen und Lesen von Geschichten, durch Zeichnen und Malen, durch Gestaltung einer Ausstellung zu den Themen Heimat, Kulturen, Werte, Religionen, Sitten & Gebräuche, Umweltzerstörung. Ausgangs- und Endpunkt der Geschichte waren vorgegeben, die Handlungsstränge wurden in den Lernhäusern entwickelt, die Charaktere mit den einzelnen Spielszenen wurden von den Kindern selbst ausgestaltet. Während der Hauptprobenphase wurde der gesamte Unterricht auf die Inszenierung abgestellt. Sechs Monate waren es von der Vorbereitung in der Schule bis zur Aufführung.

Mit dem Stück kamen Kunst und Kulturen zusammen; mit den Mitteln Theater und Musik wurden junge Menschen bei der Definition und dem (Er-)finden von Heimat begleitet. Dadurch wurde der Prozess des gegenseitigen Verstehens gefördert, Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl wurden gestärkt. Das Projekt eröffnete eine Möglichkeit, Anderssein und Integration zu bearbeiten. Sowohl den Kindern als auch ihren Familien konnte eine positive Gemeinwohlorientierung aufgezeigt werden. "Stadt der Schatten" wurde in 2015 mit dem 1. Preis der Herbert-Quandt-Stiftung ausgezeichnet.

Website der Schule

Foto: Anika Steinbock

Die Grundschule Borchshöhe ist eine Ganztagsschule, die über sechs Lernhäuser verfügt, in denen die Kinder von Klasse 1 bis 6 jahrgangsgemischt miteinander arbeiten – im steten Wechsel von individuellen Lernphasen, fächerübergreifenden Projekten und Fachkursen. Neben dem vernetzten Lernen findet hier ebenso soziale Entwicklung statt. Die Devise der Schule heißt: "Dem Lernen Flügel verleihen". 45 Prozent der Kinder kommen aus Familien mit Migrationshintergrund, circa ein Drittel aus Familien, bei denen eine soziale Vernachlässigung sichtbar ist. Dies ist auf das soziale Umfeld zurückzuführen: In Bremen-Vegesack liegt der Anteil der erwerbsfähigen Personen, die Leistungen zum Lebensunterhalt beziehen, mit 6,8 Prozent deutlich unter dem Wert für die Stadt Bremen. Der Ausländeranteil ist mit 34,5 Prozent überdurchschnittlich hoch.

Der Schulverein Borchshöhe wurde im Jahr 2001 gegründet. Er hilft und unterstützt in vielen Bereichen des Schullebens, beispielsweise bei der Bibliothek und der Schach AG, bei Musik- und Theaterprojekten, bei Sportfesten, Ausflügen und Klassenfahrten. Die Gruppe der Aktiven setzt sich aus Eltern, Lehrkräften und den Schulleiterinnen zusammen. Aufgrund der sozialen Struktur der Schule stehen dem Verein nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung. Nichtsdestotrotz unterstützten die Ehrenamtlichen das Theaterprojekt im Rahmen ihrer Möglichkeiten, übernahmen logistische Aufgaben und sorgten zusätzlich für Öffentlichkeitsarbeit.

Foto: Anika Steinbock

Fotos: Anika Steinbock