Patenmodell: Eine Unterstützungsmaßnahme bei der Berufsfindung

Thema: Patenschaften

Patenmodell: Eine Unterstützungsmaßnahme bei der Berufsfindung
Förderverein der Johann-Peter-Hebel-Schule (GHS) Singen/Htwl. e.V.
Johann-Peter-Hebel-Schule Singen
Baden-Württemberg

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Fotos: Johann-Peter-Hebel-Schule Singen

Patenmodell in Singen unterstützt die Jugendlichen bei ihrer Berufswahl

Bereits im Jahr 2003 wurde in der Johann-Peter-Hebel-Schule ein Patenmodell eingeführt, um den Schülerinnen und Schülern – mit oder ohne Migrationshintergrund – einen realistischen Einblick in Berufe zu ermöglichen und auf dem Weg zu einem Ausbildungsplatz zu unterstützen. Damit erhalten die Jugendlichen einen festen Ansprechpartner für alle Belange rund um das Thema Berufsfindung. Die intensive Betreuung über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren soll dazu führen, dass mehr von ihnen nach der Schulzeit mit einer Ausbildung beginnen. Alle Schülerinnen und Schüler, auch jene mit geringen Deutschkenntnissen, sollen so die Möglichkeit bekommen, den für sie passenden Beruf zu wählen.

Das Patenmodell beginnt ab Klasse 8 und begleitet die Jugendlichen bis zu ihrem Schulabschluss. Alle erhalten eine Lehrerin oder einen Lehrer als Paten, der Vertrauensperson und Ansprechpartner in Fragen der Berufsorientierung ist. Die Ermutigung des Schützlings und konstruktive Kritik, aber auch praktische Hilfen, wie die Erstellung von Vorlagen für die Bewerbung oder die Vermittlung von Nachhilfestunden, spielen eine große Rolle. Für noch Unentschlossene werden Praktika organisiert. Eingebunden in das Projekt sind auch der Schulsozialarbeiter und verschiedene Kooperationspartner, bei denen die Schülerinnen und Schüler grundlegende Kenntnisse in Intensivkursen erwerben können, beispielsweise durch Telefontraining und einen Bewerbungsknigge.

Durch dieses Projekt hat sich die Zahl der Jugendlichen deutlich erhöht, die nach dem Schulabschluss eine Ausbildung starten. Zum Teil gibt es Klassen, bei denen über 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der Klasse 9 einen Ausbildungsvertrag vorweisen können. Die Betreuung durch die Paten hat dazu geführt, dass sie ein realistischeres Bild von sich, ihren Möglichkeiten und Begabungen sowie vom Arbeitsmarkt haben. Zudem konnten sie Kontakte zu Betrieben knüpfen, die im Wettbewerb um einen Ausbildungsplatz einen Vorteil darstellten.

Die Johann-Peter-Hebel-Schule ist eine gebundene Ganztagsschule in Singen, einer traditionelle Industrie- und Arbeiterstadt. Hier werden Schülerinnen und Schüler aus 25 Nationen von Klasse 1 bis 10 unterrichtet; 82 Prozent der Kinder haben einen Migrationshintergrund. Seit 2016 besuchen auch viele Flüchtlingskinder die "Stadtteilschule", unter anderem aus Syrien und dem Irak. Damit ist sie eine Brennpunktschule. Seit 2003 setzt die Schule einen Schwerpunkt im Bereich "Stärkung der Ausbildungsreife/Berufsorientierung". Aus diesem Grund wurde ein Praxiszug mit den Elementen Schülerfirma, Praktika, Bewerbungstraining und Patenmodell geschaffen. Hervorzuheben sind die Angebote an die lokale Bevölkerung, wie beispielsweise das Elterncafé, Info-Veranstaltungen und die Vermittlung von Hilfe in Notlagen.

Der Förderverein der Johann-Peter-Hebel-Schule wurde 1991 gegründet und hat derzeit 57 Mitglieder. Er unterstützt die Schule mit Nachhilfeangeboten sowie bei der Organisation von schulischen Veranstaltungen und Festen, wie beispielsweise die Abschlussfeiern der Klassen 9 und 10. Über den Förderverein werden zudem Klassenfahrten bezuschusst und Fortbildungen für Eltern angeboten. Besonderes Augenmerk wird derzeit der Flüchtlingshilfe gewidmet. Die Mitglieder des Vereins unterstützen das Patenmodell durch gezielte Hilfe bei der Vermittlung von Praktika und Ausbildungsplätzen; sie tragen mit Spenden zum Gelingen des Projektes bei.