Die Welt in der Schule willkommen heißen

Thema: Gemeinsames Schaffen

Die Welt in der Schule willkommen heißen
Förderverein Lobdeburgschule Jena e.V.
Lobdeburgschule Jena
Thüringen

Zur Website


Fotos: Lobdeburgschule Jena

Auf einem Jenaer Schulhof entsteht ein Kunstwerk als Symbol für die "Eine Welt"

Mit der Ankunft der Flüchtlingskinder entstand der Wunsch, ihnen schnell eine Möglichkeit zu geben, sich aktiv an der Gestaltung ihrer neuen Schulwelt zu beteiligen, auch wenn ihnen die deutsche Sprache noch völlig fremd war. Das große gemeinsame Ziel war, dem Leitbild der Schule eine nonverbale, künstlerisch anspruchsvolle, handwerklich solide und dauerhafte Verkörperung zu verleihen. So wurde auf dem Hof unter der Anleitung eines Schmiedekünstlers ein einzigartiges Kunstwerk geschaffen, an dem Kinder vieler Nationen mitgewirkt haben. Es soll die "Eine Welt" symbolisieren, in der alle Menschen ihren Platz haben.

Die einzelnen, aus Stahlstäben geschmiedeten Figuren tragen menschliche Konturen, die von den Kindern selbst entworfen wurden. Am Ende wurden sie zu einem Medaillon zusammengefügt, das nun am Haupteingang der Schule steht. Die Arbeiten erfolgten in Kleingruppen an drei Tagen in der Woche während der Freien Lernzeit, das heißt, in den ersten beiden Unterrichtstunden, die für die selbstständige Wissensaneignung gedacht sind. Das Projekt lief sechs Wochen und stand interessierten Schülerinnen und Schülern bis Klasse 12 offen. Zu diesem Zweck wurde auf dem Schulhof eine Schmiede eingerichtet. Im Vorlauf wurde die Thematik "Willkommenskultur" im Morgenkreis und im Fach Ethik aufgegriffen.

Mit dem Schülerprojekt wurde das Leitbild der Schule im direkten Sinne "begreifbar" gemacht. Beim gemeinsamen kunsthandwerklichen Tun konnten sprachliche, kulturelle und religiöse Barrieren überwunden werden, denn die Sprache der Hände ist international. Vielfältige Fähigkeiten, Fertigkeiten und Begabungen konnten dadurch zum Vorschein kommen. Es wird das Gemeinsame und nicht das Trennende betont, was sowohl für die deutschen als auch für die ausländischen Kinder im Laufe ihrer Zusammenarbeit schnell selbstverständlich wurde. Die Skulptur zeigt das deutliche Bekenntnis der Schulgemeinschaft für Integration, Toleranz und Menschlichkeit.

Die Lobdeburgschule ist eine Thüringer Gemeinschaftsschule, an der 720 Kinder lernen. Sie befindet sich im Stadtteil Jena-Neulobeda. Sie war die erste weiterführende Schule in Jena, die ihre Türen für geflüchtete Kinder geöffnet hat. Das gemeinsame Anliegen von Eltern, Schüler- und Lehrerschaft ist es, eine Schule für alle zu sein. 10 bis 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben einen Migrationshintergrund, darunter sind etwa 40 Geflüchtete; sie kommen aus 20 Nationen. Dies bedeutet eine große Herausforderung für den Schulalltag, wird aber auch als Chance und Bereicherung für das Zusammenleben begriffen. Denn das Leitmotiv der Schulgemeinschaft lautet: "Miteinander leben lernen".

Der Förderverein der Lobdeburgschule e.V. wurde 1991 gegründet und war einer der ersten Schulfördervereine in Jena. Ziel seiner Arbeit ist die Förderung der vielfältigen Erziehungs- und Bildungsaufgaben und des kulturellen Lebens an der Schule. Seine circa 240 Mitglieder engagieren sich bei der Vorbereitung und Durchführung von Projekten, die von Schülergruppen, Klassen oder von der gesamten Schule organisiert werden. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind sowohl für den reibungslosen Betrieb der Schulbibliothek als auch für die Pflege des Schulgartens verantwortlich. Der Förderverein hat in entscheidendem Maße zum Gelingen des Projektes beigetragen; so gewährleistete er größtenteils die Bezahlung des Metallkünstlers.