Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zum Abitur führen

Thema: Beschulung von Flüchtlingen

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zum Abitur führen
Verein der Freunde und Förderer des Landschulheims Steinmühle e.V.
Landschulheim Steinmühle
Hessen

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Fotos: Landschulheim Steinmühle

Landschulheim entwickelt ein Konzept, um Flüchtlingskindern den Weg zum Abitur zu ermöglichen

In einem bundesweit einzigartigen Projekt versucht das Landschulheim Steinmühle seit Oktober 2015, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Alter zwischen 12 und 17 Jahren in das Gymnasium zu integrieren und zum Abitur zu führen. Deren Aufnahme, Unterbringung, Integration und Beschulung stellt eine arbeitsintensive Herausforderung dar, wird aber auch als eine große gesellschaftliche Chance und eine außergewöhnliche humanitäre Aufgabe begriffen. Viele dieser Kinder haben in ihrer Heimat eine höhere Schule besucht und sollen so die Möglichkeit erhalten, einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Schulabschluss in Deutschland zu erlangen.

Die 15 Fremden aus Syrien, Afghanistan und Eritrea wohnen in einer eigens zu diesem Zweck gegründeten Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung auf dem Schulgelände und werden von qualifiziertem Personal betreut. Sobald sie ausreichende Deutschkenntnisse erworben haben, werden sie in den normalen Schulbetrieb integriert. Wegen bundesweit fehlender Erfahrungen mit der gymnasialen Ausbildung von Flüchtlingen hat die Steinmühle im Prozess "Learning by Doing" ein völlig neues Konzept entwickeln müssen. Dessen Kernpunkte sind ein Maximum an differenziertem, individuellem Unterricht und ein gut ausgebautes Unterstützungssystem, unter anderem durch den Förderverein. Alle Schüler der Klasse 9i (international) werden jeweils durch einen etwa gleichaltrigen "Buddy" unterstützt.

Die ganze Schulgemeinde profitiert von den Begegnungen mit den neuen Mitschülern. In den täglichen Kontakten auf dem Schulgelände und in der Freizeit werden Vorurteile abgebaut und es wird gegenseitiges Verständnis geschaffen. Alle 15 Jugendlichen haben bereits die ersten Sprachdiplome (A1 und A2) erworben; einige besuchen in ausgewählten Fächern bereits den Regelunterricht. Sie erzielen sowohl intellektuell wie auch sozial erkennbare Lernfortschritte. Die Steinmühle möchte damit "Best Practice" bei der Integration von Kindern mit schwierigsten Biographien aufzeigen.

Das Landschulheim Steinmühle in Marburg ist ein staatlich anerkanntes Gymnasium in freier Trägerschaft mit einem besonderen pädagogischen Profil. Es wird von circa 600 Schülerinnen und Schülern besucht; 60 davon leben im Internat, 15 in der Sonderwohngruppe. Die Steinmühle verlangt Schulgeld, vergibt aber Stipendien an Kinder aus einkommensschwachen Familien. Bis Klasse 10 handelt es sich um eine Ganztagsschule, wobei die 10. Klasse flexibel in drei Abschnitten gestaltet wird, danach folgt die Profiloberstufe. In den Klassen 7 bis 11 wird bilingualer Unterricht angeboten, der Projektunterricht findet als Hauptfach mit einem Umfang von sechs Stunden statt. Die Schule trägt das Gütesiegel "Hochbegabung", sie ist Mitglied im Schulverbund "Blick über den Zaun" sowie in der Internatsvereinigung.

Der Verein der Freunde und Förderer des Landschulheims Steinmühle e.V. trägt seit mehr als 30 Jahren dazu bei, die Möglichkeiten der Schule zu erweitern. Dies beinhaltet den Kauf von Sportgeräten, Mobiliar und Ausrüstung für die Cafeteria, den Schulhof und die Klassenräume. Hervorzuheben ist die Unterstützung bei der Einrichtung eines Fitness-Parcours, eines neuen naturwissenschaftlichen Labors sowie von Outdoor-Klassenräumen. Der Förderverein hilft auch finanziell schwächeren Familien, Klassenfahrten und Lehrmaterial zu finanzieren. Soziales Engagement von Jugendlichen wird mit dem Sozialpreis der Abiturienten belohnt.