Aktive Willkommenskultur an der Heinrich-Böll-Schule

Thema: Schulleben gestalten

Aktive Willkommenskultur an der Heinrich-Böll-Schule
Förderverein der Heinrich-Böll-Schule e.V.
Heinrich-Böll-Schule, Hattersheim
Hessen

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Fotos: Angelika Nucklies

Aktive Willkommenskultur an der Heinrich-Böll-Schule im hessischen Hattersheim

Bereits 2015 hat die Heinrich-Böll-Schule auf die aktuellen politischen Ereignisse reagiert und eine Projektwoche für die Schüler und Schülerinnen der 9. Klasse initiiert, um Einblicke in das Leben von Geflüchteten zu erhalten, die Frieden, Stabilität und eine sichere Zukunft bei uns suchen. Ziel war es, Vorurteile abzubauen, dass diese primär nach Deutschland gekommen sind, um ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Gleichzeitig soll die gemeinsame Freizeitgestaltung dazu beitragen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, den Spracherwerb zu fördern und eine offene Kommunikation herzustellen.

In der obligatorischen Projektwoche wurden die einzelnen Fluchtgeschichten erzählt und Hintergrundrecherchen über die Herkunftsländer der Flüchtlinge durchgeführt. Die dabei geknüpften Kontakte wurden anschließend vertieft, indem sich einheimische Jugendliche einmal wöchentlich mit den Neuankömmlingen trafen, um Sport zu treiben, Deutsch zu lernen oder zu malen. Darüber hinaus arbeiteten einige von ihnen gemeinsam in einer Behinderten-Fahrradwerkstatt; die reparierten Fahrräder wurden den "Gästen" dann zur Verfügung gestellt. Als drittes Teilprojekt – für die ausländischen Kinder ohne Deutschkenntnisse – wurde von engagierten Eltern, unter Mitwirkung einer Lehrkraft, eine Nachmittagsbetreuung in kleinen Gruppen angeboten, um Hausaufgaben zu erledigen, die deutsche Sprache zu lernen und Ausflüge zu unternehmen.

Das Projekt hat bewirkt, dass die Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Böll-Schule ihre Sichtweise auf die Geflüchteten und ihr Verständnis für die Ursachen der Flucht überdacht haben. Dazu trug ganz wesentlich bei, das die Ergebnisse der Projektwoche am Tag der offenen Tür ausgestellt wurden. Die "Fremden" erhalten kontinuierlich Hilfe – beim Spracherwerb, bei den Hausaufgaben und bei den kleinen Dingen des täglichen Lebens. So fühlen sie sich willkommen und angenommen, was zu ihrer guten Eingliederung in die Schule und insgesamt zu einer erfolgreichen Integration beiträgt.

Die Heinrich-Böll-Schule ist eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe für etwa 1.400 Schülerinnen und Schüler aus Hattersheim. Die heterogene Schülerschaft wird von der Schulgemeinde als Herausforderung und Chance gesehen. Durch eine individuelle Förderung der Lernprozesse sowie den gezielten Aufbau einer Schul- und Lernkultur wird dafür gesorgt, dass aus der Chance Wirklichkeit wird. Neben der Inklusion von Schülern mit Lernbehinderungen gibt es derzeit zwei Klassen für Kinder, die vor allem aus Afghanistan und Syrien kommen. In diesen werden nicht nur Deutschkenntnisse in Sprache und Schrift vermittelt, sondern durch gezielte Angebote auch die soziale, kulturelle und politische Integration ermöglicht. Zahlreiche Arbeits- und Lernangebote im Ganztagsbereich fördern das gemeinsame Zusammenleben sowie sinnvolle Freizeitbeschäftigungen.

Der Förderverein der Heinrich-Böll-Schule in Hattersheim am Main wurde im Mai 1995 gegründet. Der Vereinszweck ist die Förderung von Bildung und Erziehung im Sinne des gemeinsamen Lernens. Dabei unterstützt der Verein die Schule ideell und materiell, um der Schule bei der Erfüllung ihres pädagogischen Auftrages bestmöglich zur Seite zu stehen. Viele Jahre lang haben seine Mitglieder aktiv beim Aufbau einer Ganztagsbetreuung mitgewirkt. Regelmäßig werden Projektwochen und Schülerfahrten gefördert; es gibt Unterstützung für die Leseförderung, den Schulchor, die Schulband sowie das Streuobstwiesenprojekt der fünften Klassen.