Schüler für Schüler

Thema: Willkommens-AG

Schüler für Schüler
Förderverein der Adolf-Reichwein-Schule
Adolf-Reichwein-Schule, Heusenstamm
Hessen

Zur Website

Fotos: Förderverein der Adolf-Reichwein-Schule


Berufsschule in Marburg engagiert sich für die Begegnung zwischen einheimischen Schülern und jugendlichen Flüchtlingen

War es im Schuljahr 2014/15 noch eine kleine Klasse, so sind es heutzutage ca. 140 geflüchtete junge Menschen, die in verschiedenen Schulformen und Lerngruppen an der Adolf-Reichwein-Schule unterrichtet werden. Ziel des Projektes "Schüler für Schüler" ist es, diese ins Gespräch mit den einheimischen Jugendlichen zu bringen und Möglichkeiten für eine bewusste Begegnung zu finden. Vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Situation soll dieses Zusammenwirken von Sozialpädagogik und Schule einen integrativen Ansatz bieten, um ihre Identifikation im Sinne der "Entfremdung des Fremden" zu fördern.

Bis zu 24 Schülerinnen und Schüler trafen sich einmal in der Woche in einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft bei Kaffee, Tee, Musik und Snacks, um in kleinen Lerngruppen an Aufgaben aus dem Sprach- und Mathematikunterricht zu arbeiten. Die Begegnungen wurden zunächst bewusst themenbezogen gestaltet und von pädagogischen Fachkräften angeleitet. Zuvor waren die Jugendlichen mit Elementen des interkulturellen Trainings und der Musikpädagogik darauf vorbereitet worden. So wurden zum Beispiel Tabuthemen, Lebenswelten und Umgangsformen diskutiert. Musik erwies sich als der einfachste Weg der Kommunikation – einfache populäre Gitarrensongs und Rhythmusinstrumente trugen zum Erfolg des Projektes bei. Die jugendlichen Geflüchteten hatten schließlich die Idee, ein YouTube-Video zu produzieren, was viel Zeit in Anspruch nahm.

Während des Projektes standen der Lernspaß und die positive Assoziationen auslösende Begegnung im Vordergrund. Damit wird eine Basis geschaffen, um eine tolerante und offene Kultur zu fördern, die sich gegen Vorurteile, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stellt und das Demokratieverständnis junger Menschen stärkt. Sie werden zum Nach- und Umdenken angeregt, für Ausgrenzungssituationen sensibilisiert und motiviert, Zivilcourage im Alltag zu zeigen. Dies schließt ein mutiges Agieren ein, wenn Andersdenkende mit Vorurteilen belegt werden oder sogar Gewalt erfahren. Gegen Ende des Schuljahresergaben sich zunehmend auch private Begegnungen zwischen den Schülern. Im aktuellen Schuljahr wird das – in seiner Art bislang einzigartige – Projekt weiter bestehen.

Die Adolf-Reichwein-Schule ist mit ca. 1400 Schülerinnen und Schülern die größte von drei beruflichen Schulen in der Stadt Marburg beziehungsweise von fünf im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Einzugsgebiet sind der gesamte Landkreis sowie einige benachbarte Gemeinden. Zu den Angeboten der Schule gehören insbesondere das berufliche Gymnasium, die Assistentenausbildung durch die höhere Berufsfachschule, die Fachoberschule, die Teilzeitberufsschule und die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung. Auf Beschluss des Hessischen Kultusministeriums ist sie Schwerpunktschule für geflüchtete Jugendliche geworden.

Der Förderverein der Adolf-Reichwein-Schule wurde im Mai 1998 gegründet und hat gegenwärtig 55 Mitglieder. Er unterstützt viele schulinterne Projekte, wie beispielsweise die Werkstattarbeit in den besonderen Bildungsgängen, die neue Küche in der Flüchtlingsarbeit, Schulsportfeste, den Suchtpräventionstag, den Gesundheitstag der Schule und den Workshop Musik. Des Weiteren bezahlt er die Schulbibliothekarin. Eine Stärke des Vereins ist die schnelle und unbürokratische Überbrückung von kleinen finanziellen Engpässen bei den Schülerinnen und Schülern, wenn es um die Anschaffung von Unterrichtsmaterial oder die Finanzierung von Studien- bzw. Klassenfahrten geht.