Primus-Preis

Preisträger im September 2016:

Antihelden*


Wie schütze ich mich vor sexualisierter Gewalt? Das Projekt "Antihelden*" bespricht
unter anderem diese Frage in Workshops an Schulen und in der offenen Jugendarbeit
mit Schülern im Alter von zehn bis 17 Jahren. Das Projekt hat seinen Ursprung im Heusteigviertel. Hier befindet sich Stuttgarts "Milieu", und die Jugendlichen, die dort leben, haben die Auswirkungen von Prostitution täglich vor Augen. Manche sind in Gefahr, in die Szene abzurutschen.

Foto: Verein zur Förderung von Jugendlichen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten e.V.

Um die Kinder davor zu schützen, hat der von Mitgliedern der Katharinengemeinde gegründete Verein zur Förderung von Jugendlichen e.V. das Präventionsprojekt "Antihelden*" aufgesetzt. "Ein wichtiges Projekt, das den Fokus auf die Jungen legt und nicht als Täter abstempelt", findet auch die Jury der Stiftung Bildung und Gesellschaft. "Ein beeindruckendes Hilfsangebot zu einem Thema, das im Grunde genommen noch ein Tabu ist."

In den Workshops geht es nicht nur um die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt, sondern um Bildung zum Geschlechterverhalten im umfassenderen Sinne. Dazu gehört die Wissensvermittlung zu Kinder- und Jugendrechten, Themen sind aber auch sexualisierte Sprache, männlicher Habitus, Pornografie und Homophobie. Darüber hinaus spielen die eigene Körperwahrnehmung und individuelle Grenzen eine Rolle. Die Module für die einzelnen Workshops werden jeweils nach Bedarf und Interesse zusammengestellt.

Foto: Verein zur Förderung von Jugendlichen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten e.V.

Mit einer "Anonymen Fragebox" können die Jungen beispielsweise die Themen ansprechen, die sie beschäftigen, und erhalten offen Antwort. "Antihelden* gibt ihnen dafür einen geschützten Rahmen", erklärt Saskia Reichenecker, Sozialarbeiterin beim Verein zur Förderung von Jugendlichen e.V. Es geht in den Workshops auch immer wieder um Alltagssituationen. Die Jungen können damit ihre Selbstwahrnehmung und eigene Handlungsmöglichkeiten reflektieren. In den gut zwei Jahren, die die "Antihelden*" aktiv sind, wurden bis März 2017 1058 Jungen in 91 Workshops erreicht. Eltern und andere Multiplikatoren wie Lehrkräfte werden zusätzlich über Elternabende und Weiterbildungsangebote angesprochen. Saskia Reichenecker: "Die große Nachfrage bestätigt uns den Bedarf, mit unseren Zielgruppen zu sexueller Bildung und sexualisierter Gewalt zu arbeiten." Aktuell erarbeitet das Projekt Antihelden* daher zusätzlich eine Online - Beratungsmöglichkeit für Jungen und bietet als Kooperationspartner von AMYNA e.V. München das Schutzkonzept "Kinderschutzsystem" zur Implementierung für Sportvereine an.

Website zum Projekt

Fotos: Verein zur Förderung von Jugendlichen mit besonderen sozialen
Schwierigkeiten e.V.