Primus-Preis

Preisträger im August 2019:

Arabisch-Kurs für Flüchtlingskinder

Ein Projekt aus Herzogenrath bei Aachen setzt sich dafür ein, dass Flüchtlingskinder aus arabischen Staaten ihre eigene Sprache nicht verlernen.

Viele Geflüchtete, die in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, wissen nicht, wie lange sie hier bleiben werden. Insbesondere für die Kinder, die normalerweise sehr schnell in einer neuen Umgebung Wurzeln schlagen, bedeutet dies eine Herausforderung: Wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, sollen sie nicht ein zweites Mal in ein gänzlich fremdes Land kommen. Vor allem sollen sie auch weiterhin den Kontakt zu ihren Verwandten behalten können, die oft in den unterschiedlichsten Ländern Zuflucht gefunden haben.

Damit Kinder etwa aus Syrien ihre Muttersprache nicht vergessen, geben ihnen ehrenamtliche Helfer aus dem Kreis der Flüchtlinge einmal pro Woche Arabisch-Unterricht. Unterstützung erhalten sie durch den Internationalen ökumenischen Arbeitskreis Hand-in-Hand e.V., der Materialien und Räume zur Verfügung stellt. Ziel ist, dass Kinder, die nur zeitweise ihre Heimat kennen gelernt haben, ihre Sprachkenntnisse auffrischen. Nicht wenige haben nur kurz oder keine Schule besucht. Besonderer Wert wird deshalb auf das Erlernen der arabischen Schrift gelegt, so Mamdoh Sattouf, der Initiator der Kurse. Der Agraringenieur hatte selbst fünf Jahre in Braunschweig gelebt und promoviert, kehrte dann in seine Heimat Syrien zurück, floh 2015 vor dem Bürgerkrieg und lebt seitdem in Herzogenrath.

Foto: Kerstin Harings/Internationaler ökumenischer Arbeitskreis "Hand-in-Hand" e.V.

Die erste Gruppe mit Flüchtlingskindern beim Arabisch-Unterricht in Herzogenrath

Zu den Inhalten des Unterrichts, der altersdifferenziert in drei Klassen an jedem Samstagvormittag stattfindet, gehört auch die Begegnung mit der arabischen Kultur und den Traditionen. So wurde bereits zweimal ein Theaterstück einstudiert und aufgeführt. Die im Jahr 2017 gestarteten Kurse haben insgesamt dafür gesorgt, dass die Kinder neue Freundschaften und Kontakte geknüpft haben und sich die Geflüchteten stärker wertgeschätzt fühlen, so die Projektträger. Anfangs besuchten 10 bis 15 Kinder den Unterricht, mittlerweile sind es fast 40 Kinder.

Neben dem Arabisch-Unterricht möchte der Internationale ökumenische Arbeitskreis "Hand-in-Hand" e.V. im nächsten Schuljahr auch regelmäßige Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung anbieten.

"Dieses ungewöhnliche Bildungsangebot adressiert einen Bedarf in der Flüchtlingsarbeit, den viele nicht auf dem Radar hatten", meint Birgit Ossenkopf, Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft. "Besonders dass Geflüchtete dabei ehrenamtliches Engagement selbst in die Hand nehmen, hat die Jury überzeugt."

Foto: Kerstin Harings/Internationaler ökumenischer Arbeitskreis "Hand-in-Hand" e.V.

Mamdoh Sattouf und seine Ehefrau Famiha Aljmli, die die erste Kindergruppe unterrichtet haben
Fotos: Kerstin Harings/Internationaler ökumenischer Arbeitskreis "Hand-in-Hand" e.V.