Primus-Preis

Preisträger im Mai 2020:

Ein Zwischenraum für Schulverweigerer

Ein Projekt aus Mannheim fängt Kinder und Jugendliche auf, die Gefahr laufen, in der Schule und damit auch im Leben abgehängt zu werden.

Bevor jemand die Schule abbricht, gibt es meist eine längere Vorgeschichte: Schlechte Erfahrungen wie Ausgrenzung, Frust oder schwierige familiäre Verhältnisse können eine Rolle spielen, wenn Kinder und Jugendliche im Bildungssystem den Anschluss verlieren. Oft mündet Schulverweigerung in Sucht oder Kriminalität. Hier setzt das 2018 gestartete Präventivprojekt des gemeinnützigen Vereins Lebensnahes Lernen e.V. an: Er will gefährdeten Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen sieben und 17 Jahren einen Ort geben, an dem sie ihre Perspektivlosigkeit ein Stück weit überwinden können.

"Ein Zwischenraum für Schulverweigerer" heißt das Projekt: In einer Präventivgruppe kommen bis zu fünf Kinder und Jugendliche zusammen. Sie gehen zwar noch regelmäßig zur Schule, beteiligen sich aber nicht mehr aktiv am Unterricht – und benötigen einen Impuls von außen, um nicht abzudriften: Ihnen bietet sich nun die Chance, neue Erfahrungen zu sammeln und selbst etwas zu gestalten. Über einen Zeitraum von drei Monaten arbeiten und lernen sie projektorientiert, indem sie sich praktisch, handwerklich oder künstlerisch betätigen. Dabei wird individuell auf ihre Interessen eingegangen und auch auf selbstständiges Arbeiten gesetzt. Falls nötig, kann versäumter Unterrichtsstoff nachgeholt werden.

Foto: Lebensnahes Lernen e.V.

Praktisches Arbeiten – zum Beispiel bei der Anlage eines Beetes
Foto: Lebensnahes Lernen e.V.

Im vergangenen Jahr hat der Verein für das Projekt ein Häuschen angemietet und eine Werkstatt eingerichtet. Es befindet sich in der Nähe des Niederbrücklplatzes – einem lange Zeit verwahrlosten Ort in Mannheim-Neckarau, den die Jugendlichen nun nachhaltig beleben wollen. Auf einer 1.000 Quadratmeter großen, von der Stadt verpachteten Fläche, soll ein außerschulischer Lernort entstehen. Die Kinder und Jugendlichen erleben sich hier als Gestalter ihrer Umwelt, sie erhalten Anerkennung und übernehmen Verantwortung.

Die Preisjury beeindruckte insbesondere der präventive Ansatz, denn das prämierte Projekt holt die Heranwachsenden frühzeitig ab und stabilisiert sie in einer für sie schwierigen Phase. "Der Zwischenraum ist für die gefährdeten Schülerinnen und Schülern ein Ort, an dem sie ernst genommen und ihre Fähigkeiten gefördert werden", erklärt Birgit Ossenkopf, Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft. "Mit gestärktem Selbstbewusstsein kann dann die weitere Schullaufbahn wieder erfolgreicher gestaltet werden."