Primus-Preis

Sonder-Primus Digital im Dezember 2018:

Geschichtomat

 
Jüdische Geschichte beschränkt sich im Schulunterricht oft nur auf das Thema "Drittes Reich" und Holocaust. "Deutsch-jüdische Geschichte jenseits der Opferperspektive fehlt häufig", sagt die Historikerin Dr. Carmen Smiatacz vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden. Das von ihr geleitete Projekt "Geschichtomat" will den Blick weiten und Jugendliche mit anderen Facetten jüdischer Geschichte in Hamburg bekannt machen. Im Rahmen von Projektwochen gehen die Schülerinnen und Schüler in ihrem Stadtteil auf Spurensuche. Carmen Smiatacz: "Sie beschäftigen sich mit historischen Personen, Orten oder Ereignissen und setzen sich mit aktuellem jüdischen Leben auseinander."

Mit fachlicher und medienpädagogischer Begleitung recherchieren sie, führen Interviews mit Experten und Zeitzeugen, besuchen Museen und Archive, drehen und schneiden Filme, bearbeiten Fotos und schreiben Texte. Zum Ende der Projektwoche laden sie die fertigen Video-Beiträge auf die Geschichtomat-Website hoch. Auf diese Weise wächst ein digitaler Stadtplan zum jüdischen Leben aus der Sicht von Jugendlichen, der zudem im Internet einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ist.

Foto: Geschichtomat
Foto: Geschichtomat

Im Verlauf der Projektwoche werden die Jugendlichen zudem mit allen nötigen Arbeitsschritten zur Erstellung eines eigenen Medienprodukts vertraut: Sie lernen, wie sie Filme schneiden, Bilder bearbeiten und Inhalte mithilfe eines Content-Management-Systems ins Web bringen können. Außerdem setzen sich die Schülerinnen und Schüler damit auseinander, wie man mit Bild- und Tonmaterial kritisch umgeht und welche Persönlichkeitsrechte zu beachten sind. Ziel ist es somit auch, bei den Jugendlichen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie sensible Inhalte im Internet präsentiert werden können.

Den Geschichtomat gibt es seit Februar 2013. Seitdem haben fast 40 Projektwochen an verschiedenen Schulen stattgefunden. Rund 700 Schülerinnen und Schüler haben bisher teilgenommen und mehr als 160 Videoclips produziert. Nicht nur von Medien ist viel Resonanz gekommen. Nachdem eine Klasse einen Beitrag über eine im Holocaust ermordete Schülerin gedreht hatte, sah eine Verwandte des Mädchens, die in den USA lebt, das Video, reiste nach Hamburg und besuchte die Klasse.

Zwei Beispiele für Videos, die im Rahmen des Geschichtomat-Projekts in der 9. Klasse des Hamburger Christianeums entstanden sind: Eine Schülergruppe hat zum Leben Walter Lichtheims geforscht, eines ehemaligen Schülers ihres Gymnasiums, der 1944 in einem Vernichtungslager der Nationalsozialisten ermordet wurde. Eine andere Gruppe hat sich mit jüdischen Familiennamen und deren Entstehung auseinander gesetzt.

"Das Projekt ist ein tolles Beispiel, wie die Beschäftigung mit Geschichte und digitale Medien zusammenwirken können", meint Birgit Ossenkopf, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft. "Der Geschichtomat vermittelt nicht nur, dass Hamburg ein reiches jüdisches Erbe hat und es dort bis heute jüdisches Leben gibt, sondern stärkt zugleich die Medienkompetenz der Jugendlichen."

Website zum Projekt

Fotos: 
Geschichtomat

 

 

 

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